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<section xmlns="http://docbook.org/ns/docbook" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:ezxhtml="http://ibexa.co/xmlns/dxp/docbook/xhtml" xmlns:ezcustom="http://ibexa.co/xmlns/dxp/docbook/custom" version="5.0-variant ezpublish-1.0"><para>Da hat man sich MĂĽhe gegeben. Hat versucht, ruhig zu bleiben. Hat im Geiste die Tipps aus den Ratgeber-Foren durchgescrollt, um pĂ¤dagogisch korrekt aus der Nummer rauszukommen. Und es hat nicht funktioniert. Das Kind weint, die Mutter rennt wĂĽtend aus dem Zimmer. Schlechte Laune ist die Folge und das GefĂĽhl: Wieder versagt!</para><para>Eltern-Sein ist wunderschĂ¶n. Aber manchmal bringt es die sogenannten Erziehungsberechtigten an ihre Grenzen. Die Fragen, die sich wohl die meisten Eltern stellen, lauten: Ist das normal? Was habe ich falsch gemacht? Und vor allem: Wie kann es gelingen, in der Familie zu einem guten Miteinander zu finden, das die Kinder zu starken, verantwortungsvollen Menschen macht und das zugleich auch die eigenen BedĂĽrfnisse nicht zu kurz kommen lĂ¤sst? Â </para><para>Die Wahrheit ist: PatentlĂ¶sungen gibt es nicht. Denn jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders, und auch die Situationen, die problematisch sind, kann man nicht unbedingt miteinander vergleichen.</para><title ezxhtml:level="2">Nicht Methode, sondern Haltung</title><para>Auf genau dieser Erkenntnis basiert das Elternkurs-Konzept â€žKess erziehenâ€ś (siehe Infos unten). Kess steht fĂĽr kooperativ, ermutigend, sozial und situationsorientiert. Dabei gehe es â€žnicht um eine Erziehungsmethode, sondern um eine Erziehungshaltungâ€ś, erklĂ¤rt Familienberater und Autor Christof Horst. Das Konzept liefere nicht â€žden tollen Tippâ€ś fĂĽr eine bestimmte Situation, sondern es mache Eltern das Leben leichter, weil sich aus einer â€žgestĂ¤rkten Grundhaltung heraus vieles, was aus einer verfahrenen Situation fĂĽhrt, fast automatisch ergibtâ€ś. Das heiĂźt: Aus einer FĂĽlle von Informationen und Anregungen kĂ¶nnen die Eltern sich jeweils das heraussuchen, was ihnen gerade hilft. Und damit auch dem Kind und der ganzen Familie. Denn auch das ist ein Grundsatz von â€žKess erziehenâ€ś: Das Konzept setzt da an, wo Eltern am ehesten etwas verĂ¤ndern kĂ¶nnen: bei sich selbst.</para><title ezxhtml:level="2">Was braucht mein Kind?</title><para>Konkret kann das beispielsweise bedeuten, dass Eltern in einer Konfliktsituation nicht fragen â€žWas ist mit dem Kind los?â€ś und denken â€žDa habe ich etwas falsch gemachtâ€ś oder auch â€žDieses Verhalten muss ich meinem Kind austreibenâ€ś. Sondern versuchen, das Kind zu achten und zu verstehen, was hinter seinem Verhalten stecken und welche BedĂĽrfnisse es haben kĂ¶nnte.</para><para>Zum Beispiel: Die VierjĂ¤hrige â€žstĂ¶rtâ€ś stĂ¤ndig, sie unterbricht die Eltern, redet dazwischen, albert herum, macht vielleicht absichtlich etwas kaputt. MĂ¶glicherweise steckt eine Botschaft hinter ihrem Verhalten: Sie hat das GefĂĽhl, nicht dazuzugehĂ¶ren, nicht wichtig zu sein. Sie will bemerkt werden, will, dass sich jemand mit ihr beschĂ¤ftigt.</para><para><literallayout class="normal">â€žFĂĽr die Erziehung ist es von grundlegender Bedeutung, das Kind in seinem Anliegen zu verstehenâ€ś, schreibt Diplom-PĂ¤dagoge Christof Horst. â€žJe besser die Eltern die Motive fĂĽr das Verhalten ihres Kindes erkennen, desto eher kĂ¶nnen sie auch mit schwierigen Verhaltensweisen angemessen umgehen.â€ś Im Fall der VierjĂ¤hrigen kĂ¶nnte zum Beispiel eine gezielte Zuwendung der Eltern dazu beitragen, die Situation zu verbessern. Momente, in denen Vater oder Mutter nur fĂĽr das Kind da sind und ihm das GefĂĽhl geben, wirklich wichtig zu sein. â€žEdelsteinmomenteâ€ś heiĂźen solche Momente bei â€žKess erziehenâ€ś. Es lohne sich, solche Edelsteinmomente gezielt zu pflegen, sagt Christof Horst. â€žSie sprechen das Kind in seinen GrundbedĂĽrfnissen an und tragen so wesentlich dazu bei, das Miteinander harmonischer und entspannter erleben zu kĂ¶nnen.â€śÂ 
Ein weiterer wichtiger Faktor fĂĽr ein gutes Familienklima ist die Vermittlung von Werten in der Familie â€“ und die Vorbildfunktion der Eltern. Indem die Eltern den Kindern ihre Werte vorleben, beeinflussen sie deren Werte und Grundhaltungen maĂźgeblich. So sieht das auch das Konzept des â€žanleitenden Erziehungsstilsâ€ś des Deutschen Kinderschutzbundes (siehe Kasten). In dem Buch â€žStarke Kinder brauchen starke Elternâ€ś, das auf dem Konzept basiert, schildert Autorin Paula Honkanen-Schoberth die Erfahrung eines Vaters:</literallayout></para><para>Die Oma feiert am Wochenende ihren runden Geburtstag. Die ganze Verwandtschaft wird da sein. Der 17-jĂ¤hrige Sohn mĂ¶chte nicht mitkommen. Alles Bitten, ErklĂ¤ren und BeschwĂ¶ren der Familientradition fruchtet nicht. Was tun? Der Vater nimmt seinen Sohn in die Verantwortung und fragt ihn nach einer LĂ¶sung. Er macht ihm klar: Den Geburtstag zu ignorieren, kommt nicht infrage. SchlieĂźlich macht der Sohn einen Vorschlag: Er kĂ¶nnte die Oma anrufen und fragen, ob er sie nicht eine Woche spĂ¤ter besuchen kĂ¶nne. So wird es gemacht. Die Oma ist sogar sehr froh ĂĽber den Vorschlag. So hat sie mehr Zeit fĂĽr den Enkel undÂ  kann sich auĂźerdem nach dem Geburtstag auf einen weiteren schĂ¶nen Besuch freuen. Problem gemeinsam gelĂ¶st!</para><para>â€žWenn unsere Beziehung zu den Kindern gekennzeichnet ist durch VerstĂ¤ndnis, Interesse und FĂĽrsorge und in Ăśbereinstimmung steht mit den Werten und Haltungen auf der Vorbildebene, bekommen Kinder Halt und Orientierungâ€ś, so Honkanen-Schobarth. Auch wenn es, zum Beispiel wĂ¤hrend der PubertĂ¤t, massive Auseinandersetzungen gebe, gelte es, die Bindung zum Kind zu halten und â€ždie eigenen Wertvorstellungen und die Art der Vermittlung je nach Alter zu ĂĽberprĂĽfenâ€ś.</para><ezembed xlink:href="ezcontent://75904" view="embed"><ezattribute><ezvalue key="stoerer">true</ezvalue></ezattribute></ezembed><title ezxhtml:level="2">Die StĂ¤rken betonen</title><para>Dabei und bei allen anderen Anregungen gilt â€“ und das ist vielleicht der wichtigste Expertentipp: Eltern mĂĽssen nicht perfekt sein! â€žUm ihre Kinder wirksam ermutigen zu kĂ¶nnen, brauchen Eltern auch Stolz auf die eigenen StĂ¤rken und Nachsicht mit den eigenen SchwĂ¤chenâ€ś, weiĂź Christof Horst. â€žDenn wie schnell bekĂ¤mpft man die eigenen Fehler unnachsichtig bei den Kindern.â€ś Gerade dann, wenn man sich selbst kritisch betrachte, seien ermutigende Botschaften entscheidend, sagt Horst. Das gelte fĂĽr Kinder ebenso wie fĂĽr Erwachsene. â€žDaher ist es wichtig, unsere Aufmerksamkeit ganz bewusst auf unsere StĂ¤rken und unsere positiven Eigenschaften zu lenken â€“ und auf das, was uns ermutigt.â€ś Dazu gehĂ¶rt auch, sich einzugestehen, dass sich Konflikte, Geschrei und TrĂ¤nen wohl nie ganz vermeiden lassen werden.</para><para>Wenn Eltern so sich selbst und ihre Kinder stĂ¤rken, werden sie auch den Mut aufbringen loszulassen. Dem Kind etwas zuzutrauen. Am Anfang heiĂźt das vielleicht, die Hand des Kleinkinds loszulassen, das alleine die Leiter zur Rutsche hochklettern will. SpĂ¤ter kann es bedeuten, zuzulassen, dass der Sohn oder die Tochter ihre eigenen Erfahrungen und Fehler machen â€“ ob beim Referat in der Schule oder bei der ersten Liebe. Starken Eltern wird das gelingen. Sie kĂ¶nnen darauf vertrauen, dass ihre Kinder starke Menschen sind. Und selbstbewusst und glĂĽcklich ihr Leben leben.</para><para>Â </para></section>
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