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<section xmlns="http://docbook.org/ns/docbook" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:ezxhtml="http://ibexa.co/xmlns/dxp/docbook/xhtml" xmlns:ezcustom="http://ibexa.co/xmlns/dxp/docbook/custom" version="5.0-variant ezpublish-1.0"><para>Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema beschĂ€ftigt und sonst eher selten auf YouTube, Instagram, Tik Tok und Co. unterwegs ist, wird bald mit groĂen Augen und offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen, wenn er sich die sogenannten Challenges ansieht, mit denen sich Jugendliche im Internet prĂ€sentieren. Challenges sind Herausforderungen oder Mutproben, bei denen Menschen sich filmen und die Videos dann ĂŒber soziale Netzwerke verbreiten. Vor allem Jugendliche lieben das Format. Die Spannweite ist dabei von Ă€uĂerst harmlos bis sehr gefĂ€hrlich oder gar lebensbedrohlich. Einige Beispiele:</para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Ice Bucket Challenge</emphasis>
Die âEiskĂŒbelâ-Challenge startete im Sommer 2014. Sie war die erste, die sich massenhaft im Internet verbreitete. Menschen filmten, wie sie sich einen Eimer eiskaltes Wasser ĂŒber den Kopf schĂŒtteten. Dann schickten sie das Video an Freunde und forderten sie auf, dasselbe zu tun.Â  Mit der Aktion wollten die Urheber auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam machen und Spenden sammeln. Auch Prominente wie Bill Gates und Mark Zuckerberg beteiligten sich. </literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Condom snorting Challenge</emphasis>
Die Teilnehmer stecken sich die Spitze eines Kondoms in ein Nasenloch, halten das andere mit dem Finger zu und atmen krĂ€ftig ein. Ziel ist es, das Kondom durch den Rachen und dann aus dem Mund wieder herauszuziehen. Nicht angenehm und nicht gesund. Im schlimmsten Fall wird das Kondom verschluckt oder eingeatmet. </literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Tide Pod Challenge</emphasis>
Eine FlĂŒssigwaschmittelkapsel wird im Mund zerbissen, der Inhalt lĂ€uft langsam aus dem Mund heraus. Eine lebensgefĂ€hrliche Aktion. Nachdem Dutzende Teenager wegen schwerer Vergiftungen behandelt werden mussten, rief die Herstellerfirma dazu auf, sich nicht an der Challenge zu beteiligen. YouTube lĂ¶schte die Videos. </literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Bad Make-up Challenge</emphasis>
MĂ€dchen und Jungen filmen sich dabei, wie sie sich wie wild mit Lippenstift, Puder, Lidschatten und anderen Schminkutensilien das Gesicht bemalen. Â </literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">âIn my feelingsâ-Challenge</emphasis>
Es begann damit, dass der Social-Media-Star Shiggy zum Song âIn my feelingsâ von Drake auf der StraĂe tanzte. Das Video verbreitete sich, immer mehr Jugendliche kopierten die Choreografie. SchlieĂlich fingen einige an, aus einem fahrenden Auto zu springen und auf der StraĂe zu tanzen. Oft mit schlimmen Folgen. Trotzdem wurde die Challenge in dieser Variante erst richtig zum Hit. </literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Nicht lachen Challenge</emphasis>
Zwei Spieler sitzen sich gegenĂŒber. Sie fĂŒllen sich den Mund mit Wasser. WĂ€hrend eine dritte Person Witze erzĂ€hlt, versuchen die beiden, nicht zu lachen. Wenn es doch passiert, gibt es eine mehr oder weniger groĂe Wasserschlacht. Â </literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Bird Box Challenge</emphasis>
Angelehnt ist sie an den Film âBird Boxâ, in dem Menschen, um sich vor einer dunklen Macht zu schĂŒtzen, mit einer Augenbinde herumlaufen. Bei der Challenge tun Jugendliche genau das, allerdings im echten Leben und bei normalen AlltagstĂ€tigkeiten. Im Januar ist eine 17-JĂ€hrige US-Amerikanerin mit verbundenen Augen Auto gefahren und in den Gegenverkehr gekracht. Wenige Tage spĂ€ter nahm YouTube ein ausdrĂŒckliches Verbot gefĂ€hrlicher Challenges in seine Richtlinien auf. Bereits zuvor waren bei der Plattform gefĂ€hrliche Inhalte allgemein gemĂ€Ă den Richtlinien verboten.Â Â </literallayout></para><title ezxhtml:level="2">Jugendliche wollen sich vor anderen zeigen</title><para>Schon diese kleine Auswahl zeigt, wie vielfĂ€ltig die Aktionen sind, mit denen sich Jugendliche vor laufender Kamera selbst darstellen. Und sie macht deutlich: Challenges kĂ¶nnen lustig sein oder doof. Sie kĂ¶nnen kĂ¶rperliche SchĂ€den verursachen und sogar lebensgefĂ€hrlich sein. Die Frage ist: Warum machen die Jugendlichen das?</para><para>âJugendliche sind neugierig und gerne in Konkurrenz mit anderenâ, erklĂ€rt Stefanie Rack von der <link xlink:href="https://www.klicksafe.de/" xlink:show="new">Initiative klicksafe</link>, die sich fĂŒr mehr Sicherheit im Internet einsetzt. âEs ist in der Entwicklungspsychologie nichts Neues, dass Jugendliche Herausforderungen suchen und sich vor anderen gerne zeigen. Dass sie das, was sie kĂ¶nnen, prĂ€sentieren wollen.â Challenges seien genau das, was âbei Jugendlichen den Nerv trifftâ. Dabei gibt es nach Ansicht der Lehrerin und MedienpĂ€dagogin durchaus Challenges, die harmlos oder lustig sind oder sogar mit Gewinn genutzt werden kĂ¶nnen. âSie generell abzulehnen, wĂ€re falsch.â Zudem habe es Mutproben schon immer gegeben, sie gehĂ¶rten zur Lebensphase PubertĂ€t dazu. âWir sind frĂŒher als Mutprobe nachts ĂŒber den Friedhof gelaufenâ, sagt Rack. Das Problem: âHeute wird das durch das Internet potenziert. Man versucht, immer noch gefĂ€hrlichere Sachen zu machen.â</para><para>Was frĂŒher also das Durch-den-See-Schwimmen oder Alkoholtrinken bis zum Umfallen war, sind heute gefilmte Schminkorgien oder Tanzeinlagen auf der Autobahn. FrĂŒher sahen ein paar Freunde zu und vielleicht der oder die Angebetete, die man mit der Aktion beeindrucken wollte. Heute ist, zumindest theoretisch, die ganze Welt Zeuge. Und wĂ€hrend damals die Mutprobe mit der mehr oder weniger erfolgreichen DurchfĂŒhrung beendet war, vergisst das Internet nichts.</para><title ezxhtml:level="2">Was ist SpaĂ und was ist gefĂ€hrlich?</title><para>Umso wichtiger ist es, die Jugendlichen vor den Gefahren von Challenges zu schĂŒtzen. Stefanie Rack rĂ€t Eltern, mit den Kindern ĂŒber die Konsequenzen zu sprechen: âWas passiert, wenn du dies oder jenes machst? Was passiert, wenn du so etwas teilst? Damit rufst du quasi andere dazu auf, so etwas zu tun.â Generell wichtig sei es, dass die Teenager ein gutes GefĂŒhl dafĂŒr hĂ€tten, dass sie âauch so dazugehĂ¶ren und nicht nur, wenn sie etwas besonders GefĂ€hrliches machen. Zu wissen: Was macht mich aus? Und zu unterscheiden: Was ist SpaĂ, was kann lustig sein und was ist gefĂ€hrlich?â</para><para>GesprĂ€che kĂ¶nnten sich ganz nebenbei ergeben. âWenn ich sage, ich habe in der Zeitung von dieser neuen Challenge gelesen. Kennst du die schon? Ist das bei euch in der Klasse ein Thema? Was hĂ€ltst du davon? Da kann man schon mal vorfĂŒhlen, was fĂŒr ein Risikobewusstsein ein Kind schon hatâ, erklĂ€rt Rack. Vielleicht hilft es den Jugendlichen auch, einmal nachzulesen, was eine Gleichaltrige zu dem Thema zu sagen hat.</para><para><link xlink:href="https://www.liviajosephine.de/2018/01/27/lebensgefaehrliche-online-challenges-und-mutproben/" xlink:show="new">Die Bloggerin Livia Kerp (16) bringt ihre Meinung klar auf den Punkt</link>: âWarum gibt es immer wieder Jugendliche, die sich auf solche irrsinnigen Mutproben einlassen? Nur wegen ein paar mehr Klicks auf YouTube? Oder geht es hier um Ansehen oder darum, âcoolâ zu sein?â, fragt sie in ihrem Blog. âFĂŒr mich hat âMutâ nichts damit zu tun, einfach alles zu machen, was andere vorgeben. Sondern âMutâ ist fĂŒr mich, auch mal âNeinâ zu sagen und seinen eigenen zu Weg gehen.â Cool, dieses MĂ€dchen!</para><para>Falls Eltern fĂŒrchten, dass ihr Kind durch Challenges in Gefahr geraten kĂ¶nnte, sollten sie mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter reden und ihren Sorgen Ausdruck geben. Und sich bei Bedarf Hilfe holen, zum Beispiel beim <link xlink:href="https://www.nummergegenkummer.de/elterntelefon.html" xlink:show="new">Elterntelefon der âNummer gegen Kummer"</link>, Tel.: 0800 / 111 0 550</para></section>
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