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Resilienz bedeutet die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der psychischen Gesundheit wĂ¤hrend oder nach widrigen LebensumstĂ¤nden. Man kann sich das gut am Bild eines Schwammes vorstellen: Man kann ihn zusammenquetschen, ihn auf den Boden werfen oder auf ihm herumtreten und er kehrt immer wieder in seine ursprĂĽngliche Form zurĂĽck. Das ist genau das, was Resilienz bedeutet: Wir werden mit Stress, mit Widrigkeiten, vielleicht auch mit traumatischen Erfahrungen konfrontiert, haben aber innere persĂ¶nliche FĂ¤higkeiten und Strategien sowie externe Ressourcen, die uns helfen, unsere psychische Gesundheit wieder zurĂĽckzugewinnen.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Ist Resilienz ein feststehendes PersĂ¶nlichkeitsmerkmal oder eine FĂ¤higkeit, die man lernen kann?</emphasis>
FrĂĽher dachte man, es sei eine PersĂ¶nlichkeitseigenschaft â€“ entweder man sie oder man hat sie nicht. Heute weiĂź man, dass es zwar eine genetische Veranlagung zu Resilienz gibt, der grĂ¶Ăźte Teil aber ĂĽber die Lebenszeit gelernt werden kann. Es kommen also mehrere Faktoren zusammen, die Genetik, das neurobiologische System â€“ manche Menschen sind einfach stressanfĂ¤lliger als andere â€“, und viele Fertigkeiten, die man im Leben erwirbt. Dazu zĂ¤hlt, welche Resilienzfaktoren man hat und wie man sie trainiert. Wichtige Resilienzfaktoren sind zum Beispiel Selbstwirksamkeit, Optimismus, kognitive FlexibilitĂ¤t oder soziale UnterstĂĽtzung. Dazu zĂ¤hlen auch externe Ressourcen wie zum Beispiel ein gutes privates Netzwerk â€“ zum Beispiel Freunde â€“ oder ein professionelles Netzwerk â€“ zum Beispiel Ă„rzte oder Therapeuten.</literallayout></para><para>Hinzu kommen die Umweltfaktoren, die sowohl schĂĽtzende Faktoren als auch Risikofaktoren sein kĂ¶nnen. SchĂĽtzende Faktoren sind zum Beispiel ein gutes Elternhaus, gute Freunde oder auch das Aufwachsen in einem Land wie Deutschland, in dem es viele UnterstĂĽtzungssysteme gibt. Risikofaktoren sind zum Beispiel, wenn ich wenig Bildungschancen habe oder stark Umweltgiften oder dem Klimawandel ausgesetzt bin.</para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Resilient zu sein, mag im normalen Alltag hilfreich und gutumsetzbar sein. Aber wie ist das bei schweren Krankheiten? Kann Resilienz auch in solch extremen Situationen helfen?</emphasis>
Ja, das konnten wir ganz eindeutig zeigen. Wir haben beispielsweise gerade ein aktuelles Forschungsprojekt, in dem Familien mit schwer kranken Kindern durch einen â€žFamilienGesundheitsPartnerâ€ś bedarfsorientiert unterstĂĽtzt werden. Dabei haben wir auch geschaut, wie sich die Resilienz der Familien ĂĽber die Zeit verĂ¤ndert, wenn Resilienzfaktoren gestĂ¤rkt werden. Es hat sich gezeigt, dass Resilienz auch in solchen schwierigen Situationen trainierbar ist und sich verbessert.</literallayout></para></section>
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Zum einen durch resiliente Grundhaltungen und zum anderen durch resiliente Handlungsprinzipien. Eine resiliente Grundhaltung, die in jeder Lebenssituation, aber auch in einer schweren Krankheitssituation hilft, ist ein realistischer Optimismus. Das bedeutet, dass man nicht alles nur negativ sieht, sozusagen die dunkle Brille aufsetzt, sondern dass man die Resilienzbrille aufsetzt, es also schafft, auch die schĂ¶nen, kleinen Dinge des Lebens zu sehen, die es ja in solchen Phasen auch immer gibt. Wenn zum Beispiel die Sonne scheint. Wenn man ein GesprĂ¤ch mit netten Menschen hat. Wenn man mal einen besseren Tag hat, an dem einem bestimmte Dinge leichter fallen als an einem anderen. Dieser realistische Optimismus kann sich auch in der Hoffnung Ă¤uĂźern, dass neue Medikamente entstehen oder neue Therapien entwickelt werden. Hilfreich ist zudem eine hohe Selbstwirksamkeit, also das GefĂĽhl, dass man FĂ¤higkeiten und Kompetenzen hat, mit denen man etwas verĂ¤ndern kann. Zum Beispiel: Wenn man den Anweisungen der Ă„rztinnen und Ă„rzte folgt, kann sich eine Verbesserung der Erkrankung einstellen. Oder man setzt sich kleine realistische Ziele fĂĽr jeden Tag, ja nachdem, was gerade ansteht, und freut sich ĂĽber jeden Erfolg, ist er noch so klein. Resiliente Menschen haben zudem eine sehr gute Werteorientierung. Sie wissen, was fĂĽr sie im Leben wichtig ist, was ihre Werte sind, und inwiefern sie ihr Leben ihren Werten entsprechend ausrichten kĂ¶nnen. Dadurch setzen sie sich eher Ziele, die zu ihren Werten passen und kĂ¶nnen ein zufriedeneres Leben fĂĽhren.</literallayout></para><para>Zu den resilienten Handlungsprinzipien zĂ¤hlt ein aktives BewĂ¤ltigungsverhalten, wir sprechen von aktivem Coping. Wenn ich eine schwere Erkrankung habe, gibt es natĂĽrlich immer wieder Tage und Zeiten, in denen es mir schlecht geht und mir alles furchtbar erscheint. Aber vielleicht gelingt es mir, mich immer wieder aufzuraffen, aktiv zu versuchen, die Dinge, die ich tatsĂ¤chlich verĂ¤ndern kann, zu verĂ¤ndern und zugleich auch den Blick fĂĽr die schĂ¶nen Dinge nicht zu verlieren. Dabei kann ich versuchen, an der Situation etwas zu verĂ¤ndern, oder ich kann versuchen, an der eigenen Haltung etwas zu verĂ¤ndern. Bei Letzterem ist die Akzeptanz der Krankheit ein wichtiger Punkt. Dass ich also nicht immer nur denke, die Krankheit soll weggehen, ich will sie nicht haben, sondern dass ich akzeptiere, sie ist jetzt da, mein Leben hat sich verĂ¤ndert, und dann ĂĽberlege, wie ich am besten damit umgehen kann. Resiliente Menschen schaffen es gut zu unterscheiden, was sie verĂ¤ndern kĂ¶nnen und was nicht, und ihre Ressourcen und Energie in die Dinge zu stecken, auf die sie Einfluss haben.</para><para>Sehr hilfreich ist auch eine gewisse FlexibilitĂ¤t, das heiĂźt, dass ich nicht in eingefahrenen Denk- und Handlungsmustern bleibe. Das ist wichtig, weil ich viele Dinge anders machen oder neu bewerten muss. Dinge, die mir vorher leichter von der Hand gegangen sind, brauchen jetzt unheimlich viel Zeit und Nerven. Da kann ich vielleicht umorganisieren und mir eventuell Hilfe holen. Die soziale UnterstĂĽtzung ist einer der wichtigsten Resilienzfaktoren. Das bedeutet, dass ich ein gutes soziales Netzwerk habe, auf das ich zurĂĽckgreifen kann und bei dem ich mich traue, um Hilfe zu bitten. Und schlieĂźlich ist da noch die Emotionssteuerung: Ich weiĂź, welche GefĂĽhle ich habe, ich gestehe mir zu, dass ich dunkle Phasen habe, dass ich traurig bin, dass ich deprimiert bin, aber ich bleibe nicht zu lange in diesem tiefen Tal, sondern habe Strategien an der Hand, um mich wieder herauszuholen.</para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Auch AngehĂ¶rige und Freunde brauchen in einer solchen Situation ein groĂźes MaĂź an Resilienz. Haben Sie auch fĂĽr sie Tipps, wie sie widerstandsfĂ¤hig bleiben kĂ¶nnen?</emphasis>
Ganz wichtig ist es, sich eigene Auszeiten zu gĂ¶nnen. Das ist generell ein wichtiges Thema bei AngehĂ¶rigen von PflegebedĂĽrftigen oder chronisch Kranken. NatĂĽrlich geht es darum, diese Personen zu unterstĂĽtzen. Zugleich ist es nĂ¶tig, gut fĂĽr sich selbst zu sorgen und sich Zeiten zu nehmen, in denen man nur tut, was einem selbst SpaĂź macht, und in denen man mal aus der ganzen Sache herauskommt. Hilfreich ist es, wenn man dabei auf sein privates Netzwerk zurĂĽckgreifen kann. Wichtig ist aber auch, sich gut beraten zu lassen, wie der Staat unterstĂĽtzen kann, wie das professionelle Hilfssystem greifen kann. Das kann Familienhilfe sein oder finanzielle UnterstĂĽtzung, Hilfe bei der Kinderbetreuung oder mal ein besonderer Familienurlaub mit anderen Kindern, die in Ă¤hnlichen Situationen sind. Als extrem hilfreich hat es sich erwiesen, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschlieĂźen â€“ sei es vor Ort oder online â€“, um dort mit anderen Menschen, die Ă„hnliches erleben, zusammen zu sein und sich mit ihnen austauschen zu kĂ¶nnen.</literallayout></para></section>
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