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Meist hilft er gerne mit, manchmal muss er sich ein wenig ĂŒberwinden. âDie Hauptverantwortung fĂŒr die Tiere liegt natĂŒrlich bei mirâ, erklĂ€rt Regina Eisl. âFĂŒr Anna ist das ganz toll, wenn sie die Tiere zum Beispiel fĂŒttern darf. Da ist das sehr spielerisch. Aber wenn man Ă€lter wird, merkt man, dass das eine BestĂ€ndigkeit ist und dass man manchmal einfach gebraucht wird. Da zĂ€hlt jede helfende Hand.â</para><para>Doch Gabriel ist ein absoluter Tierfreund. Er will spĂ€ter sogar SchafzĂŒchter werden. Sein zwei Jahre Ă€lterer Bruder Georg mag am liebsten den Golden Retriever der Familie. Regina Eisl ist davon ĂŒberzeugt, dass gerade fĂŒr das soziale Lernen alle Kinder davon profitieren, mit Tieren aufzuwachsen. In ihrem Fall bedeutet das: mit sieben Kaninchen, zwei SchildkrĂ¶ten, zwei Meerschweinchen, zwei Minischweinen, sechs HĂŒhnern, fĂŒnf Pferden, drei Alpakas, drei Laufenten, einem Hund, einer Katze und vier Achatschnecken.</para><title ezxhtml:level="2">Tiere sind schon immer ihre groĂe LeidenschaftÂ </title><para>Mit ihrem Mann betreibt die 37-jĂ€hrige gelernte DiplompĂ€dagogin eine GemĂŒse-Landwirtschaft bei Salzburg. Ihre groĂe Leidenschaft sind allerdings die Tiere. Schon immer gewesen: âFrĂŒher wollte ich TierĂ€rztin werden, dann bin ich Volksschullehrerin geworden. Doch die Idee, Tiere und PĂ€dagogik zu verknĂŒpfen, blieb. Ich habe zu Beginn nur noch nicht ganz gewusst, wie das gehen soll.â Nach und nach belegte Regina Eisl verschiedene Kurse und absolvierte eine Ausbildung zur Fachkraft fĂŒr tiergestĂŒtzte PĂ€dagogik. Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren unterstĂŒtzt sie gemeinsam mit ihren Tieren Kinder und Jugendliche mit den unterschiedlichsten Problemlagen. Depressionen und EssstĂ¶rungen sind sehr hĂ€ufig vertreten genauso wie StĂ¶rungen des Sozialverhaltens. âIch arbeite auch ganz oft mit Kindern, die ihre Emotionen nicht regulieren kĂ¶nnen, heftig weinen, schreien und toben. Oder mit Kindern, die in der Schule gemobbt werden. Auch Kinder und Jugendliche, die sexuell missbraucht wurden oder kĂ¶rperliche Gewalt erfahren haben, kommen auf unseren Hof. Oder Kinder, die in einer Wohngemeinschaft leben, weil ihre Eltern sie nicht wollen.â</para><para>Bei manchen Kindern und Jugendlichen stellen sich schnell Erfolgserlebnisse ein, bei anderen brauche es erst einmal viel Zeit, um ĂŒberhaupt eine Beziehung aufzubauen. Erst dann kĂ¶nne sie mit der eigentlichen Arbeit und ihren pĂ€dagogischen Zielen beginnen, fĂŒhrt Regina Eisl aus. Aber egal, welches Kind, egal, welches Defizit, die Tiere fungieren immer als Eisbrecher und TĂŒrĂ¶ffner. Das bestĂ€tigt auch Rainer Wohlfarth, Vize-PrĂ€sident der âInternational Society of Animal-Assisted Therapyâ: âEin ganz wichtiger Punkt ist, dass Tiere Bindungsobjekte sein kĂ¶nnen. Die Kinder und Jugendlichen gehen zwar mit ihren gleichen Bindungsmustern auf die Tiere zu, aber da Tiere anders als Menschen reagieren, kĂ¶nnen Tiere diese Bindungsmuster schneller verĂ€ndern â und diese verĂ€nderten Bindungsmuster werden auf uns Menschen zurĂŒckĂŒbertragen. Der Jugendliche kann sich seinem Betreuer gegenĂŒber dann zum Beispiel anders verhalten als vorher.â</para><title ezxhtml:level="2">Tierische UnterstĂŒtzung auch bei Don Bosco</title><para>Ein Effekt, den auch das Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz in Hessen nutzt. Seit Oktober 2013 besteht dort eine Kooperation mit einer Reittherapeutin, von der etwa 35 bis 40 Jugendliche pro Jahr profitieren â finanÂ­ziert vom Jugendamt. âWir haben zunehmend mehr Kinder und Jugendliche, die so traumatisiert sind, dass sie den Zugang zu anderen und zu sich selbst schwer findenâ, erklĂ€rt Einrichtungsleiter Patrick Will. âDie Reittherapie bewirkt, dass sie viel offener werden und sich auch in der verbalen Ausdrucksweise verbessern. Da merkt man ganz massive VerĂ€nderungen.â Das Jugendhilfezentrum will die tierische UnterstĂŒtzung sogar noch ausbauen und arbeitet zurzeit an einem Hundekonzept. âEinige Mitarbeiter, die privat einen Hund haben, haben den einmal mitgebracht und gemerkt, dass die Grundstimmung in der Wohngruppe plĂ¶tzlich positiver ist, wenn der Hund mit dabei istâ, so Erziehungsleiter Martin Lotz. âJetzt soll es aber nicht so sein, dass einfach jeder seinen Hund mitbringt, es muss schon einen pĂ€dagogischen Mehrwert haben â und nicht jeder Hund ist ja auch dafĂŒr geeignet.â Daher wird gerade ein Regelwerk erstellt, welche Kriterien notwendig sind, damit ein solcher Einsatz fĂŒr Mensch und Tier sinnvoll ist.</para><para>Ein Aspekt, den auch Regina Eisl mit Nachdruck betont, denn tiergestĂŒtzte Therapie und PĂ€dagogik sind keine geschĂŒtzten Begriffe. âEs reicht eben nicht, einfach eine Ziege auf der Wiese stehen zu haben. Man kann sonst so viel Schaden anrichtenâ, warnt sie. Um das Image der tiergestĂŒtzten Interventionen zu fĂ¶rdern, plĂ€diert Rainer Wohlfarth fĂŒr mehr fundierte Forschung. âDas ist ein relativ junges Feld, das hat eigentlich erst 1970/1980 angefangen. Es gibt einfach viel zu wenig gute Studien dazu. Wir brauchen ein empirisches Fundament, um zu schauen, was wirkt tatsĂ€chlich und in welchen Bereichen. Im Moment ist es noch extreme Erfahrungswissenschaft.â</para><title ezxhtml:level="2">In der Ruhe liegt die Kraft</title><para>Sehr gute Erfahrungen macht Regina Eisl mit ihren Achatschnecken. Mit einer GehĂ€uselĂ€nge von bis zu 20Â Zentimetern und einer KĂ¶rperlĂ€nge von bis zu 30 Zentimetern gehĂ¶ren sie zu den grĂ¶Ăten Landschnecken der Welt. âDie Schnecke ist ein ganz tolles Beispiel, wie Tiere wirken kĂ¶nnen. Die Achatschnecken kĂ¶nnen sich ganz in ihr Haus zurĂŒckziehen und kommen nur wieder heraus, wenn man die Hand ruhig hĂ€lt. Ich habe viele Kinder da, die extrem ungeduldig sind oder diesen Stempel âADHSâ aufgedrĂŒckt bekommen haben. Allein der Ansporn âIch schaff das, ich bleib still, weil dann vielleicht die Schnecke herauskommt.â kostet auf anderen therapeutischen Schienen schon so viel Kraft. Das macht bei mir dann die Schnecke.â</para><para>Und die darf sich jetzt auch der dreijĂ€hrige Rafael aus der NĂ€he anschauen. âMein Sohn ist sehr schĂŒchtern und introvertiertâ, erklĂ€rt seine Mutter. âBei Regina fremdelt er wĂ€hrend der Stunde gar nicht mehr. Sie geht super auf die Kinder ein. Manchmal hat er auch aggressive Tendenzen â die Tiere geben ihm viel Ruhe.â Anfangs ist Rafael noch sehr verschĂŒchtert und versteckt sich hinter dem Bein seiner Mutter. Er war im Auto eingeschlafen. Erschwerte Bedingungen fĂŒr Regina Eisl. Doch sie bleibt hartnĂ€ckig, stellt ihm behutsam eine Frage nach der anderen. âWillst du mal die beiden Schnecken nehmen?â âNein, nur eineâ, antwortet er vorsichtig. âKannst du auf die Schnecke aufpassen?â Er nickt bestimmt. Gemeinsam fĂŒttern und baden sie die Schnecke. âIch glaube, du kannst schon ganz vielâ, ermutigt die PĂ€dagogin ihren kleinen Klienten. âWenn ich da bin, dann kann ich dasâ, sagt Rafael nun recht selbstbewusst. Er taut immer mehr auf. Am Ende der Stunde ist er wie ausgewechselt. Ein leichtes Gewitter hat eingesetzt. Rafael ruft âRegentanz, Regentanzâ und hĂŒpft auf und ab. Freudig winkend verabschiedet er sich. âGenau dafĂŒr mache ich dasâ, sagt Regina Eisl und lacht. âEs ist ein schĂ¶nes GefĂŒhl, zu Â­sehen, dass man etwas bewirken kann.â</para><para>Gemeinsam mit ihren Tieren. Das sei einfach ihr Leben. âBei mir gibt es keine Tiere, die ich nur fĂŒr die Arbeit gekauft habe. Das sind Tiere, die mir sehr am Herzen liegen und die ich dann jahrelang fĂŒr diese Arbeit ausgebildet habe. Die Tiere sind also nicht nur Arbeit fĂŒr mich, sondern im weiteren Sinne auch Familie.â</para></section>
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