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In seiner Freizeit schraubt er an Computern oder fĂ€hrt, wenn er Zeit hat, fĂŒr das Bayerische Rote Kreuz Krankenwagen. Seine Mutter ist Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet bei einem kirchlichen Wohlfahrtsverband.</para><title ezxhtml:level="2">âFĂŒr Jan der richtige Wegâ</title><para>FĂŒr Claudia Zink und ihren Mann war die Mitteilung ihres Sohnes damals die âBestĂ€tigung eines gefĂŒhlten Wissensâ, erzĂ€hlt sie. Der junge Mann, um den es ging, sei schon vorher in der Familie als guter Bekannter, als Kumpel von Jan prĂ€sent gewesen. Ihr BauchgefĂŒhl habe ihr gesagt, dass da mehr war. âEs war keine Ăberraschung, kein Schock, kein Aus-allen-Wolken-Fallenâ, berichtet die Mutter. Sie habe es auch gut annehmen kĂ¶nnen, dass Jan sich ihr aus der Distanz heraus anvertraut habe. âDas war fĂŒr mich gefĂŒhlt fĂŒr Jan der richtige Weg.â</para><para>Jan nickt zustimmend. Seine Mutter und er hĂ€tten ein relativ offenes VerhĂ€ltnis. Er habe keine Lust gehabt, etwas zu verheimlichen, habe seine sexuelle Orientierung offen ansprechen und ausleben wollen. âEs war also nur die Frage, wie und wannâ, erzĂ€hlt er. âUnd dann habe ich das eben in diesem Urlaub geklĂ€rt.â</para><para>So einfach, wie sich das heute im RĂŒckblick anhĂ¶rt, war die Situation fĂŒr Jan damals allerdings nicht. âIch hatte schon Sorge, ganz deutlichâ, erinnert er sich. Vielleicht habe er seiner Mutter auch deshalb aus der Entfernung geschrieben. Auch in der Schule ĂŒberlegte er genau, wem er âesâ erzĂ€hlte, wem er sich anvertrauen konnte. Als er merkte, dass sein Umfeld sehr entspannt mit dem Thema umging, traute er sich, auf Facebook seinen Beziehungsstatus auf Ă¶ffentlich zu schalten. Damit war das Outing quasi offiziell. Und offenbar fĂŒr alle vĂ¶llig okay. âIch bin nicht auf Gegenwind gestoĂen, nirgendsâ, sagt Jan.</para><title ezxhtml:level="2">Die GroĂmutter war zunĂ€chst ĂŒberfordert</title><para>Nur die Geschichte mit der Oma â die ging ihm lange nach. Jan, der evangelisch getauft ist, hatte sich gegen die Konfirmation, aber fĂŒr eine humanistische Jugendfeier entschieden. Weil er bei dem Fest seinen damaligen Freund, den Jungen aus der SMS, dabeihaben wollte, hatte er auch seine GroĂmutter ĂŒber die Beziehung informiert. Am Tag der Feier, berichtet Jan, habe sie zu ihm gesagt, er solle bitte sein Leben nicht wegschmeiĂen. âDas war unangenehm, das ging mir sehr nah, das tat ganz schĂ¶n wehâ, erzĂ€hlt Jan. Auch Claudia Zink kann sich gut daran erinnern, wie sehr ihr Sohn unter dieser Reaktion gelitten und diese die ganze Jugendfeier ĂŒberschattet hat.</para><para>Inzwischen, und das ist die positive Seite der Geschichte, ist das VerhĂ€ltnis zwischen Oma und Enkel wieder bestens. âSie hat das inzwischen revidiert, sie hat sich entschuldigt, relativ schnell danachâ, sagt Jan. âIch glaube, es war nicht ihre Schuld. Sie hatte im Internet auf Konversionstherapie-Seiten gelesen, wie furchtbar das ist und dass man das alles noch geradebiegen kann. Sie war da einfach in die falschen HĂ€nde geraten.â Auch Claudia Zink hat bei ihrer Mutter eine Entwicklung beobachtet. Die Seniorin, eine ehemalige Lehrerin, sei zunĂ€chst mit einem gewissen Argwohn an das Thema herangegangen, habe HomosexualitĂ€t als eine Art Modererscheinung oder MedienphĂ€nomen bewertet. Heute wisse sie mehr darĂŒber und sei offener. âSie hat viel gelernt in dieser Zeit.â</para><para>Etwa 85 Prozent der Personen in Deutschland identifizieren sich laut der <link xlink:href="https://www.mynewsdesk.com/de/elitepartner/documents/elitepartner-studie-2020-so-liebt-deutschland-98725" xlink:show="new">ElitePartner-Studie 2020</link> als heterosexuell. Vier Prozent der Befragten gaben auf die Frage nach ihrer sexuellen Orientierung an, homosexuell zu sein. Etwa acht Prozent machten keine Angabe. Zugleich sind Homophobie und Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung in der Gesellschaft weit verbreitet. Besonders betroffen sind junge Menschen. Das zeigt die Studie <link xlink:href="https://gesid.eu/" xlink:show="new">âGesundheit und SexualitĂ€t in Deutschlandâ der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung</link> aus dem Jahr 2020. In den Befragungen gab jede fĂŒnfte lesbische, bi- und asexuelle Frau im Alter zwischen 18 und 35 Jahren an, bereits Erfahrungen mit Diskriminierungen aufgrund der sexuellen IdentitĂ€t gemacht zu haben. Bei homosexuellen, bi- und asexuellen MĂ€nnern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren waren es 63 Prozent. In Ăsterreich gaben in der <link xlink:href="https://www.sora.at/fileadmin/downloads/projekte/2019_Diskriminierungsstudie_Langfassung.pdf" xlink:show="new">Sora-Studie zu âDiskriminierungserfahrungen in Ăsterreichâ</link> 73 Prozent der schwulen, lesbischen oder bisexuellen Befragten an, in den letzten drei Jahren Diskriminierung erlebt zu haben.</para><title ezxhtml:level="2">Viele Jugendliche haben Angst, sich zu outen</title><para>Auch Elena Winter vom Jugendberatungszentrum diversity in MĂŒnchen <link xlink:href="ezlocation://48720" xlink:show="new">(Interview mit Elena Winter ĂŒber Reaktionen von Eltern nach dem Outing ihrer Kinder)</link> kennt die Vorbehalte gegenĂŒber jungen homosexuellen und auch transidentischen oder nichtbinĂ€ren Menschen. Auch Eltern gingen sehr unterschiedlich mit dem Outing ihrer Kinder um. Die Reaktionen reichten von Akzeptanz ĂŒber Ignorieren oder UnverstĂ€ndnis bis hin zu offener Ablehnung. âViele Jugendliche haben groĂe Angst davor, sich vor der Familie oder den Eltern zu outenâ, sagt die SozialpĂ€dagogin.</para><para>Mutter und Sohn Zink arbeiten, um ihre Erfahrungen weiterzugeben und andere Eltern und queere junge Menschen zu unterstĂŒtzen, inzwischen im <link xlink:href="http://www.fliederlich.de/" xlink:show="new">Queeren Zentrum des Vereins Fliederlich in NĂŒrnberg</link> mit. Claudia Zink ist Mitglied einer Elterngruppe und fĂŒhrt telefonische BeratungsgesprĂ€che mit MĂŒttern und VĂ€tern, deren Kinder sich als schwul, lesbisch, trans oder nonbinĂ€r geoutet haben. Ihre Aufgabe sieht sie vor allem darin, die Eltern reden zu lassen, zu hĂ¶ren, welche Fragen sie haben, wo Sorgen, NĂ¶te und Probleme sind. Auch PĂ€dagogen und PĂ€dagoginnen suchen Rat, die in der Schule oder in der Jugendhilfe Kontakt mit verzweifelten Jugendlichen haben, die zuhause keinen RĂŒckhalt finden oder gar von den Eltern auf die StraĂe gesetzt wurden. Jan sieht sich als sogenannter Teamer einer Jugendgruppe des Vereins ebenfalls vor allem in der Rolle des ZuhĂ¶rers. âIch habe die Erfahrung gemacht, wenn ich ein Problem habe und einfach nur darĂŒber reden kann, dann lĂ¶st das so viele Probleme, weil ich schon mal reflektiere. Diese Reflektion ist sehr hilfreich.â</para><para>Dass es das Zentrum, die Gruppen, dass es AufklĂ€rung und BeratungsmĂ¶glichkeiten gibt, halten Mutter und Sohn fĂŒr gut und wichtig. Viel lieber wĂ€re es ihnen allerdings, wenn es alle diese Angebote gar nicht mehr brĂ€uchte. Wenn queere Jugendliche und deren Eltern sich nicht mehr in Selbsthilfegruppen treffen mĂŒssten. Wenn queere Personen keine Angst vor Anfeindungen und Ăbergriffen mehr zu haben brĂ€uchten.</para><title ezxhtml:level="2">Der Wunsch der Mutter fĂŒr ihren Sohn: âHauptsache glĂŒcklichâ</title><para>Die beiden sind ĂŒberzeugt: Die Gesellschaft ist auf einem guten Weg. Aber es gibt auch noch Einiges zu tun. Sorgen bereitet Claudia Zink vor allem die Entwicklung in den letzten ein, zwei Jahren. âIch beobachte mit groĂer Sorge den Rechtsruck in der Gesellschaft, den wir erleben, auch verstĂ€rkt durch die Corona-Pandemieâ, sagt sie. âIch merke, dass meine Beklemmungen wachsen, weil die Anzahl der Ăbergriffe auf queere Menschen zunimmt.â Als Mutter eines queeren Kindes stelle sie fest, âdass es mir jedes Mal ins Herz schneidetâ, wenn sie von Ăbergriffen oder Attentaten, zum Beispiel auf Schwulenclubs, hĂ¶re. Die Angst, ihrem Sohn kĂ¶nne etwas passieren, wenn er sich offen mit einem gleichgeschlechtlichen Partner zeigt, diese Angst sei da.</para><para>Die Beziehung zwischen Jan und seinem ersten Freund dauerte ein halbes Jahr. Inzwischen definiert sich der Student nicht mehr als schwul, sondern als pansexuell. Zuletzt war er mit einer nichtbinĂ€ren Person zusammen. âPan heiĂt alles. FĂŒr mich ist es nicht wichtig, welche GeschlechtsidentitĂ€t, welche physikalischen Geschlechtsteile ein Mensch hatâ, erklĂ€rt der Student. âIch verliebe mich in einen Menschen, nicht in ein Geschlecht.â SpĂ€ter, in 20 Jahren vielleicht, mĂ¶chte Jan in einer Beziehung leben, mĂ¶chte âeine Personâ an seiner Seite haben. Er hĂ€tte gerne Kinder, ânicht zu wenigeâ, sagt er und grinst hinĂŒber zu seiner Mutter. Und was wĂŒnscht die sich fĂŒr ihren Sohn? âIch sage immer, Hauptsache glĂŒcklichâ, schmunzelt Claudia Zink. âIch wĂŒrde mich riesig ĂŒber Enkelkinder freuen.â</para><para>Einen groĂen Wunsch und eine Hoffnung hat sie zudem fĂŒr die ganze Gesellschaft: dass Menschen anders sein kĂ¶nnen als die vermeintliche NormalitĂ€t, dass alle Menschen die MĂ¶glichkeit haben, so zu leben und zu lieben, wie es ihnen entspricht. Und so glĂŒcklich zu werden.</para><para><emphasis>*In der ursprĂŒnglichen Fassung erschien dieser Text mit den echten Namen und einem Foto des Protagonisten und seiner Mutter. Auf seinen Wunsch hin hat die Redaktion im November 2025 die Namen geĂ€ndert und das Foto entfernt. Als BegrĂŒndung nannte er die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.Â </emphasis></para></section>
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