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Mahlzeiten sind tatsĂ¤chlich wichtige Zeitpunkte in der Familie. Es lohnt sich, sich diese Zeiten zu nehmen, weil es Zeiten der Begegnung und des Austauschs sind. Zugleich gibt es aber auch viele Konfliktpunkte. Das beginnt schon bei der Vorbereitung. Wer deckt den Tisch? Wer hilft, das Essen zu machen? DĂĽrfen die Kinder noch spielen? Hinzu kommen Diskussionen darĂĽber, was es zu essen gibt, oder wie die Situation des Essens gestaltet wird. Startet man mit einem Ritual? Welche Regeln gibt es am Tisch? Ich denke hier zum Beispiel an das groĂźe Thema Handy. Das sind viele Momente der Auseinandersetzung miteinander.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Viele Eltern sind unzufrieden mit dem eigenen Essverhalten oder dem ihrer Kinder. Manche machen sich Sorgen, dass sie oder ihre Kinder sich nicht gesund genug ernĂ¤hren. Inwiefern sollte das bei den Mahlzeiten ein Thema sein?</emphasis>
Ich wĂĽrde versuchen, diese Dinge vorher zu besprechen und sie bei der Mahlzeit herauszunehmen. Wir sollten uns zunĂ¤chst als Eltern selbst fragen, wie wir zum Essen stehen. Wie und was mĂ¶chte ich essen? Koche ich frisch? Schaue ich, dass viel GemĂĽse auf dem Tisch ist? Koche ich vielfĂ¤ltig? Ein typischer Konfliktpunkt, wenn mehrere Personen da sind, ist auch: Koche ich fĂĽr jede Person etwas Eigenes oder gibt es ein Essen, bei dem garantiert fĂĽr jeden und jede irgendetwas dabei ist? Wir merken in der Beratung, dass oft schon frĂĽh damit begonnen wird, fĂĽr jeden etwas extra zu machen. Und ich rede hier jetzt nicht von Allergien oder UnvertrĂ¤glichkeiten. Wichtig ist, dass die Eltern mitessen, dass sie mit am Tisch sitzen. Dass Essen fĂĽr sie etwa Positives, Lustvolles ist.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Gerade das Thema DiĂ¤ten ist bei einigen Eltern sehr prĂ¤sent. Da wird dann bei jedem Bissen die Kalorienzahl quasi gleich mitgeliefert.</emphasis>
Das sehe ich sehr kritisch und wĂĽrde es mit viel Vorsicht behandeln. Es ist okay, wenn ich auf das Gewicht achte, fĂĽr mich und meine Kinder. Aber dann sollte ich eine entsprechende Grundeinstellung haben und ein Essen machen, das ich gut vertreten kann fĂĽr meinen KĂ¶rper und den meiner Kinder. Ich muss mir sonst bewusst sein, dass ich meine eigenen Sorgen und negativen GefĂĽhle in die KĂ¶pfe meiner Kinder einpflanze. Da kĂ¶nnen unter UmstĂ¤nden ganz schnell die Weichen so gestellt werden, dass die Kinder eine bedenkliche Beziehung zum Essen entwickeln. Wenn ich versuche, weniger zu essen, sollte ich das nicht allzu sehr ausbreiten, sondern es einfach tun, ohne groĂź darĂĽber zu reden.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Wie sinnvoll sind feste Benimmregeln beim Essen?</emphasis>
GrundsĂ¤tzlich gibt es Dinge, die wichtig sind, damit ein Essen gut funktioniert. Die Regeln sollten natĂĽrlich altersangepasst sein. Den Kindern sollte bewusst sein, dass jetzt ein Zeitraum ist, in dem gegessen wird. Dabei mĂĽssen sich die Eltern auch an der eigenen Nase fassen. Wenn ich als Mutter beim Essen bin, dann bin auch ich prĂ¤sent, mit dem Kopf und mit dem KĂ¶rper. Die Kinder sollten sitzenbleiben, wĂ¤hrend sie essen. Wobei man ĂĽberlegen kann, ob sie schon aufstehen dĂĽrfen, wenn sie fertig sind. Durch das Sitzenbleiben kommt eine Ruhe in die Situation. Und es ist auch gut, wenn die Kinder das so kennen und es funktioniert, wenn sie mal woanders sind oder wenn die Familie ins Gasthaus geht.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Welche Regeln halten Sie fĂĽr wichtig, wie streng sollten Eltern dabei sein und wo lassen sich vielleicht Kompromisse finden?</emphasis>
Die Eltern kĂ¶nnen sich ĂĽberlegen, welche Werte ihnen wichtig sind. Vieles in diesem Zusammenhang hat mit Respekt zu tun, voreinander, aber auch vor den Nahrungsmitteln. Die Eltern kĂ¶nnen zum Beispiel festlegen, dass mit dem Essen nicht gespielt wird. Essen ist etwas Wertvolles, es ist ein Geschenk und wir sind glĂĽcklich, dass wir es haben, deshalb spielen wir nicht damit. Ein ganzzentraler Punkt sind die Handys. Weg vom Tisch! Am besten stumm schalten, sodass es auch nicht bimmelt und ich sofort zucke.</literallayout></para><para>Bei kleineren oder vermeintlich kleineren Dingen wie Ellbogen vom Tisch oder nicht mit vollem Mund sprechen â€“ da muss ich fĂĽr mich abwĂ¤gen: Ist es den Konflikt wert, der dann jedes Mal entsteht, oder gehe ich einen Kompromiss ein und sage, die Kinder sind in einem Alter, in dem ich darĂĽber hinwegschaue, erwĂ¤hne es vielleicht oder achte bei mir darauf, aber mache es nicht zum Dauerthema. Die groĂźen Grundregeln halte ich fĂĽr sinnvoll, bei den kleinen muss man im Detail schauen. Das muss jede Familie fĂĽr sich entscheiden.</para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Manche Eltern geben erst ihren Kindern zu essen und essen danach selbst. Ist das eine gute LĂ¶sung?</emphasis>
Ich finde es schade um die Zeit, die man miteinander verbringt. Wenn man sich den Tagesablauf anschaut, gibt es â€“ je Ă¤lter die Kinder werden oder auch abhĂ¤ngig von der BerufstĂ¤tigkeit der Eltern â€“ immer weniger KontaktmĂ¶glichkeiten. Deshalb finde ich es schade, zu sagen, esst zuerst ihr und ich bin so lange in der KĂĽche oder anderswo und anschlieĂźend essen die Eltern. NatĂĽrlich ist das gemeinsame Essen weniger entspannt fĂĽr die Eltern, das ist klar. Gewisse Themen kĂ¶nnen nicht besprochen werden, es ist quirliger. Aber man kĂ¶nnte entscheiden, gemeinsam zu essen, und wenn die Kinder fertig sind, dĂĽrfen sie gehen, und dann hat man Zeit mit dem Partner oder der Partnerin.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Essen und gleichzeitig fernsehen, auf dem Handy Filme anschauen oder auf Social Media sein â€“ wie wirkt sich das auf das Essverhalten aus?</emphasis>
Auf das Essverhalten wirkt es sich massiv aus. Das kann man ganz einfach einmal in einem Selbstversuch testen. Man kriegt gar nicht mehr mit, was man isst, wie viel man isst, ob es einem schmeckt. Man hat keine Beziehung zum eigenen KĂ¶rper, bemerkt das SĂ¤ttigungsgefĂĽhl nicht. Es fĂĽhrt zu der Gefahr, dass man kein gesundes Essverhalten entwickelt.</literallayout></para><para>Auf der Beziehungsebene bewirkt es das, was ich schon ein paar Mal angesprochen habe: Man geht nicht mehr in Kontakt zueinander, man verliert sich. Man ist kĂ¶rperlich da, beschĂ¤ftigt sich aber mit etwas anderem. Das ist nichts Gemeinsames.</para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Muss das Essen immer harmonisch ablaufen? Was ist, wenn jemand vĂ¶llig gestresst aus der Arbeit kommt oder ein Kind gerade unglĂĽcklich ist ĂĽber eine Note und diese GefĂĽhle sozusagen mit am Tisch sitzen?</emphasis>
Das ist super, vollkommen fein. Es muss ja authentisch sein. Damit lerne ich meine Familienmitglieder kennen. Man muss nicht total glĂĽcklich sein am Tisch. Wenn ich traurig bin, bin ich traurig und dann bin ich das auch beim Essen. Wenn das Kind oder auch der Partner oder die Partnerin traurig oder gestresst sind, registriere ich das und lasse denjenigen oder diejenige dann auch so sein. Man trifft sich in der Emotion. Das ist eigentlich perfekt. Denn dann weiĂź ich, wie es den anderen geht. Ich kann mich Ă¶ffnen, ich kann nachfragen, ob der oder die Betreffende etwas erzĂ¤hlen mĂ¶chte â€“ und wenn nicht, dann ist das auch okay. </literallayout></para></section>
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2. Der Tisch ist einladend gestaltet. Es gibt einen gemeinsamen Start. 
3. Medien kommen weg vom Tisch. So gelingt echte Begegnung.
4. Alle haben Respekt vor dem Essen. Sie sind dankbar fĂĽr die gemeinsame Mahlzeit. 
5. Die Mahlzeit wird bewusst zusammen beendet. Wer mag, darf dann aufstehen. </literallayout></para></section>
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