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Und auch nicht dort, wo Gentille aufwuchs â€“ in Beni, einer Kleinstadt im Osten des Kongos, am FuĂźe der Virunga Berge. Eine Stadt, die es zu trauriger BerĂĽhmtheit brachte, weil sie Fadenkreuz konkurrierender Rebellengruppen ist.</para><para>Als Gentille 14 Jahre alt war, gingen ihre Eltern fort. Beide waren Soldaten und wollten das Vaterland verteidigen. Die Kinder blieben bei Verwandten. An einem Tag im Juni, Gentille war gerade 15 Jahre alt geworden, kamen Rebellen einer ugandischen Miliz in das Viertel und richteten ein Massaker an. â€žFast alle Nachbarn waren totâ€ś, sagt Gentille. â€žDie Ăśberlebenden, junge MĂ¤dchen und MĂ¤nner, wurden von den Rebellen mitgenommen.â€śÂ  Auch sie.</para><para>â€žSie haben mich mitgenommen.â€ś Viele MĂ¤dchen, die im Kongo Ă„hnliches erlebten wie Gentille, drĂĽcken ihre EntfĂĽhrung durch Milizen so aus. Sie sagen auch: â€žIch musste die Frau eines dieser MĂ¤nner sein.â€ś Es ist ein Satz, der ihnen die WĂĽrde lĂ¤sst, aber wenig erzĂ¤hlt ĂĽber die Schrecken dieses â€žFrauseinsâ€ś. Gentille wurde zwei Monate lang vergewaltigt. Dann gelang ihr mit zehn anderen MĂ¤dchen die Flucht. Die Rebellen jagten die Fliehenden, erschossen sieben, drei ĂĽberlebten. Gentilles beste Freundin nicht.</para><title ezxhtml:level="2">Ausgenutzt und missbraucht</title><para>In einem Camp der Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen fand Gentille Unterschlupf und dort entdeckte sie, dass sie schwanger war. â€žIch wollte mich umbringenâ€ś, sagt sie schlicht. Tausende, vielleicht Zehntausende solcher jungen MĂ¤dchen wie Gentille gibt es im Osten des Kongos. Misshandelte, sexuell missbrauchte junge MĂ¤dchen, viele noch Kinder, die manchmal Monate, manchmal Jahre in den Quartieren der Rebellen kochten, Lasten trugen und Wasser holten. Oder in den Minen Sand siebten und wuschen, um die seltenen Erden zu gewinnen, die der Reichtum des Kongos sein kĂ¶nnten, aber sein Fluch sind. Erze und Mineralien, die die Digitalindustrie des Westens fĂĽr Computer, Handys und digitale Kameras braucht.</para><para>Ein UN-Soldat brachte Gentille ins Maison Marguerite. Sie hat dort ihren Sohn geboren und ihm den Namen Moses gegeben â€“ als Erinnerung daran, dass sie das Kind am liebsten ausgesetzt hĂ¤tte und es dann doch behielt. Wer Gentille mit Moses sieht, begreift, dass ihre Beziehung keine Mutter-Kind-Liebesgeschichte wurde. â€žIch wasche ihn, ich fĂĽttere ihn, ich trage ihnâ€ś, sagt sie freudlos, wenn man sie fragt, was sie fĂĽr das Kind empfindet.</para><para>Mit Gentille wohnen 22 andere MĂ¤dchen im Maison Marguerite, das jĂĽngste ist zwĂ¶lf Jahre, das Ă¤lteste 17 Jahre alt. Alle MĂ¤dchen sind Opfer sexueller Gewalt. Sie wurden von ihren Familien verstoĂźen oder haben keine Familie mehr. Viele lebten auf der StraĂźe, bis die Polizei sie auflas und in das Heim brachte, andere machten sich selbst auf den Weg. Im Maison Marguerite erfahren sie zum ersten Mal wieder Heimat und Sicherheit. Hier gibt es bunte kleine HolzhĂ¤user, in denen sie wohnen kĂ¶nnen, und jeden Tag Essen, FĂĽrsorge, die trĂ¶stliche Gemeinschaft der anderen. Vor allem aber: Schulunterricht. Erst Alphabetisierung, dann im Schnelldurchlauf eine Ausbildung zur KĂ¶chin, zur Friseurin oder Schneiderin.</para><para>Morgens ab 8 Uhr ist das Maison Marguerite ein HĂĽhnerstall, so wie es jede Schule auf der Welt wĂ¤re, in der 59 MĂ¤dchen zusammenkommen. Im ersten Stock des GebĂ¤udes sind die kĂĽnftigen Friseurinnen versammelt. Da werden ZĂ¶pfchen geflochten, Wimpern getuscht und NĂ¤gel lackiert. Im Nebenraum riecht es nach Stoff und dem Ă–l, mit dem die Singer-Maschinen geschmiert werden, an denen die Schneiderinnen lernen. Sie rattern in schnellem Tempo. Auch Gentille nĂ¤ht hier, sie entwirft inzwischen ihre eigenen Modelle. Der Ausbildungskurs zur KĂ¶chin trifft sich unter einem Grasdach im Hof neben dem GebĂ¤ude. Auf einer Tafel steht das Gericht des Tages: Putenschnitzel mit Maccaroni. Langsam und ungelenk schreiben die MĂ¤dchen das Rezept von der Tafel ab, spĂ¤ter werden sie es nachkochen.</para><title ezxhtml:level="2">Ein langer Weg zu einem stabilen Leben</title><para>Geleitet wird das Maison Marguerite von einigen Nonnen und dem Direktor Edgar Katembo. Seit das Haus im Jahr 2009 erĂ¶ffnete, habe es die schlimmsten Schicksale beherbergt, sagt er. â€žWir hatten hier auch schon 10-JĂ¤hrige, die so grausam vergewaltigt wurden, dass ihre inneren Organe vollkommen zerstĂ¶rt waren. Die MĂ¤dchen haben viele psychische und physische Probleme.â€ś Viele der MĂ¤dchen, erzĂ¤hlt Katembo, hĂ¤tten zudem Fisteln, Risse im Darm oder der Blase von den Vergewaltigungen. â€žSie sind inkontinent und brauchen Operationen. In so einem Zustand ist die Chance, dass sie je einen Mann finden, gleich Null, auĂźerdem kĂ¶nnen sie nicht in die Ă–ffentlichkeit wegen ihres Geruchs.â€ś Wenn man auf all diese Lasten noch die Schwere eines Kindes drauflege, das nicht aus Liebe, sondern durch Gewalt entstand, und die Tatsache, dass die MĂ¤dchen kein Geld hĂ¤tten, dann kĂ¶nne man sich vorstellen, wie lang der Weg zu einem stabilen Leben sei, sagt der Direktor.Â  Â </para><para>Zur medizinischen Behandlung der MĂ¤dchen arbeitet das Maison Marguerite mit zwei Kliniken zusammen, in denen inzwischen an die 90.000 Frauen operiert wurden, die an Blasen-Scheiden- oder Rektum-Scheiden-Fisteln litten. Auch Gentille konnte so von ihrer Inkontinenz befreit werden. Das macht sie in den Augen der kongolesischen Gesellschaft wieder zu einer vollwertigen Frau, die man verheiraten kann. FĂĽr Gentille, die sich und ihr Kind noch durchbringen muss, bedeutet das immerhin die MĂ¶glichkeit, einen ErnĂ¤hrer zu finden.</para><para><literallayout class="normal">Gentille ist nun seit elf Monaten im Maison Marguerite. Noch vier Wochen, dann steht sie auf eigenen Beinen. Ja, sagt sie, sie habe Angst davor. Vor einem Leben alleine, vor MĂ¤nnern, aber auch davor, wie es sein wird, jeden Tag allein mit Moses zu sein. Im Maison Marguerite wurde ihr der Junge abgenommen. Wenn sie Unterricht hatte, konnte sie fĂĽr ein paar Stunden wieder sie selbst sein. Mit einem Mikrokredit will Gentille ihre eigene kleine Schneiderwerkstatt in Goma erĂ¶ffnen. Und sie wird versuchen, ihre Mutter zu finden. Ihr Vater, so hat sie ĂĽber andere gehĂ¶rt, sei erschossen worden, aber ihre Mutter, die habe jemand in einer Kaserne in Lumbumbashi gesehen. â€žWenn ich Geld verdient habe, dann kaufe ich mir ein Busticket dahin. Und wenn 
ich sie finde, dann werden wir wieder zusammenleben.â€ś</literallayout></para><para/><para><emphasis>Mehr Informationen ĂĽber die Arbeit der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern im Kongo bei <link xlink:href="https://www.donboscomission.de/" xlink:show="new">Don Bosco Mission Bonn</link>, <link xlink:href="https://www.donboscomissionaustria.at/de/home/herzlich-willkommen.html" xlink:show="new">Don Bosco Mission Austria</link> und der <link xlink:href="https://www.donboscoschwestern.net/de/deutschland/essen/essen-borbeck/missionsprokur.html" xlink:show="new">Missionsprokur der Don Bosco Schwestern</link>.</emphasis></para></section>
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