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Dr. Gabriela Grunden: Viele Menschen haben heute keinen klassischen Zugang mehr zu Glauben und Kirche, sind nicht mehr angedockt an ihre Pfarrgemeinde, aber innerlich auf der Suche nach Gott, nach einer SpiritualitĂ¤t, mit der sie ihr Leben qualitĂ¤tsvoller gestalten, ihm mehr Sinn geben kĂ¶nnen. Bei manchen tauchen nach einer Lebenskrise Sinnfragen auf. Andere sagen: Ich mĂ¶chte Christ werden â€“ wie geht das? Oder wollen nach einem Austritt wieder in die Kirche eintreten.</literallayout></para><para>Wir bieten theologische VortrĂ¤ge, Glaubenskurse, Auszeiten und Besinnungstage an, aber ein besonders groĂźer Bedarf besteht an EinzelgesprĂ¤chen. Viele melden sich per Mail mit ihren Fragen. In der Regel lade ich die Menschen dann zu einem persĂ¶nlichen GesprĂ¤ch ein und ich erlebe, dass sie sehr gern kommen und dankbar sind, dass sich jemand Zeit fĂĽr ihre Glaubensfragen nimmt.</para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Und wie viele Menschen kommen zu Ihnen, weil sie sich taufen lassen wollen?</emphasis>
Das nimmt zu. Als ich 2002 hier begonnen habe, hatte ich etwa acht Leute pro Jahr im Glaubenskurs und jetzt haben wir ĂĽber 40. Die meisten davon sind zwischen 20 und 45 Jahre alt. Und ich wĂĽrde sagen, 98 Prozent derer, die anfragen, lassen sich auch wirklich taufen. Aber es gibt natĂĽrlich auch Leute, die sich wieder zurĂĽckziehen. Die Taufe ist ja eine freiwillige Sache und auch eine, die das ganze Leben beeinflusst und verĂ¤ndert â€“ da sollte man sich das durchaus gut ĂĽberlegen.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Warum lassen sich Menschen als Erwachsene taufen?</emphasis>
Die GrĂĽnde sind ganz unterschiedlich. Heimat und Geborgenheit spielen dabei eine Rolle, Orientierung, Wertebewusstsein â€“ was immer das im Einzelnen heiĂźt. Oft hat es mit Lebensplanung zu tun: Da hat jemand den Partner fĂĽrs Leben gefunden und mĂ¶chte den Schritt in ein gemeinsames Leben nicht ohne Gott tun, oder jemand bekommt ein Kind und merkt: Ich habe jetzt Verantwortung fĂĽr dieses Kind und die kann ich alleine nicht tragen, da brauche ich Gott und auch die vermittelnde Gemeinschaft. Gerade in so einer Umbruchsituation, in der man sich plĂ¶tzlich fragt, was ist mir eigentlich wichtig, wie gebe ich meinem Kind Halt, woran nehme ich selber MaĂź â€“ da entsteht bei vielen die Sehnsucht nach Glauben.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Was bedeutet es eigentlich, getauft zu sein?</emphasis>
Klassisch kann man sagen, die Taufe ist das Tor zu allen Sakramenten und der Bund Gottes mit dem Menschen, wo ich wirklich Freund und Kind Gottes bin. Nach unserem VerstĂ¤ndnis ist zwar letztlich jeder Mensch Kind Gottes, aber in der Taufe sagt man explizit Ja dazu. Ich bin hineingenommen in den Lebensbund mit Gott, bin gehalten, begleitet, gefĂĽhrt â€“ ein Leben lang und ĂĽber den Tod hinaus. Taufe und Firmung sind unverlierbare PrĂ¤gezeichen. Wenn ein Mensch katholisch gefirmt und getauft ist, gilt das ein Leben lang â€“ selbst wenn er aus der Kirche austritt. Gott nimmt seine Zusage an einen Menschen nie zurĂĽck.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Welche Voraussetzungen mĂĽssen gegeben sein, damit man sich taufen lassen kann?</emphasis>
Man braucht vor allem ein offenes Herz und die Bereitschaft, einen persĂ¶nlichen Prozess zu gehen. Die Taufe ist ein riesiges Lebensgeschenk, aber auch eine Verantwortung. Dadurch verĂ¤ndert sich das eigene Leben. DarĂĽber sollte man sich im Klaren sein.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">In den letzten Jahren sind viele FlĂĽchtlinge nach Deutschland gekommen. Wollen sich davon viele taufen lassen â€“ mĂ¶glicherweise in der Annahme, dass man als Christ in Deutschland bessere Chancen hat als zum Beispiel als Moslem?</emphasis>
FlĂĽchtlinge kommen selten zu uns. Es kommen anerkannte Asylbewerber, es kommen Muslime â€“ aber schon immer. Das ist nicht neu seit 2015. FĂĽr das, was wir anbieten, legen wir Wert darauf, dass die Menschen die Sprache gut verstehen, denn Christsein ist zwar eine Herzenssache, aber es braucht auch die intellektuelle Auseinandersetzung. Es ist egal, welchen Bildungsabschluss ich habe, aber ich muss schon verstehen kĂ¶nnen, worum es geht. Und man muss natĂĽrlich auch klar sagen, dass es keine Voraussetzung ist, Christ zu werden, um in Deutschland bleiben zu dĂĽrfen.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Wie werden Erwachsene auf die Taufe vorbereitet?</emphasis>
Es gibt eine Einzelbegleitung und parallel dazu einen Glaubenskurs, bei dem die Auseinandersetzung mit der Bibel, mit Sakramenten und mit der Liturgie auf dem Programm stehen. Dabei ist aber auch Zeit, sich untereinander auszutauschen und bei spirituellen Impulsen zur Ruhe zu kommen. AuĂźerdem besuchen wir regelmĂ¤Ăźig gemeinsam den Gottesdienst und jeder kann hinterher noch Fragen stellen zur Liturgie oder zur Predigt.</literallayout></para><para>Die Kurse beginnen normalerweise im Herbst und dauern dann ein Kirchenjahr, also etwa bis Pfingsten. So kĂ¶nnen die Teilnehmer ein ganzes Festjahr miterleben und das auch in der Gruppe reflektieren. Wer mag, kann den Partner oder die Partnerin mitbringen. Dadurch kommen die Paare ins GesprĂ¤ch darĂĽber, wie jeder von ihnen ĂĽber den Glauben denkt. Es ist wichtig, zu spĂĽren, dass Glaube den Alltag formen und Familie und Partnerschaft stĂ¤rken kann.</para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Kommt dabei auch Kritik an der Kirche zur Sprache?</emphasis>
NatĂĽrlich werden auch kritische Themen angesprochen. Finanzskandal, MissbrauchsfĂ¤lle â€“ das ist nicht weg und soll auch nicht wegdiskutiert werden. Es ist wichtig, zu sehen, dass es auch Schuld in der Kirche gibt, damit muss man sich auseinandersetzen und man muss sich fragen, was fĂĽr einen selbst wirklich Substanz am katholischen Glauben hat. Wenn ich weiĂź, was fĂĽr mich am Glauben wesentlich ist, wonach ich mich ausrichten will, dann kann ich auch als glĂ¤ubiger Christ dafĂĽr einstehen, dass das, was es an Fehlhaltungen in der Kirche gibt, benannt und aufgearbeitet wird.
Die meisten Taufbewerber wissen, dass ihnen jenseits der Skandale etwas anderes an Kirche und Glauben wichtig ist. Allerdings werden manche von Verwandten oder Bekannten richtig unter Druck gesetzt, sich fĂĽr den Schritt rechtfertigen zu mĂĽssen.</literallayout></para><para><literallayout class="normal"><emphasis role="strong">Wie lĂ¤uft eine Erwachsenentaufe ab?</emphasis>
Der klassische Tauftermin ist Ostern. Der Bewerber kann sich aussuchen, ob er vom Bischof in der Osternacht getauft werden will oder an einem Sonntag in der Osterzeit in seiner Heimatgemeinde. Davor, meist am ersten Sonntag der Fastenzeit, gibt es einen Segnungsgottesdienst, auch Zulassungsfeier genannt.</literallayout></para><para>Bei der Tauffeier selbst geht es erst um die Absage an das BĂ¶se und die Zuwendung zu Christus mit dem Glaubensbekenntnis. Dann wird der TĂ¤ufling mit Wasser getauft. Er hĂ¤lt den Kopf ĂĽber die Taufschale und der Pate steht hinter ihm und legt ihm die Hand auf die Schulter als Symbol dafĂĽr, dass er ihn bestĂ¤rkt. Danach wird nach dem Taufnamen gefragt. Erwachsene kĂ¶nnen sich bei der Taufe zusĂ¤tzlich zum Vornamen einen Taufnamen aussuchen, wenn sie mĂ¶chten. AnschlieĂźend wird dem TĂ¤ufling ein weiĂźes Gewand umgelegt als Zeichen dafĂĽr, dass er Christus anlegt, und die Taufkerze wird ĂĽbergeben. Sie soll zeigen, dass Christus das Licht ist, das unseren Weg erleuchtet. Gleich nach der Taufe folgt die Firmung. Daran wird deutlich, dass Taufe und Firmung zusammengehĂ¶ren wie zwei Seiten einer Medaille: Ich werde aufgenommen in die Kirche und bin jetzt auch Gesandter der Kirche, beauftragt, als Christ zu handeln. Und schlieĂźlich dĂĽrfen die frisch Getauften noch ihre erste Kommunion empfangen und zwar in Gestalt von Brot und Wein.</para><para>So eine Erwachsenentaufe ist ein sehr bewegender Gottesdienst. Ich wĂĽrde mir wĂĽnschen, dass mehr Leute das miterleben kĂ¶nnen, weil dabei klar wird, dass Christsein zu tun hat mit einer bewussten Entscheidung.Â Â  Â </para></section>
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