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Eine andere, die ohnehin die ganze Woche, inklusiv abends, fĂĽr Haus, Kinder und Hunde sorgte, erlebte, wie ihr Gatte an den Wochenenden regelmĂ¤Ăźig mit Freunden JagdausflĂĽge veranstaltete oder zum Segeln ging â€“ und gar nicht auf die Idee kam, wenigstens dann fĂĽr die Hausarbeit und seine Kinder da zu sein.</para><para>In beiden FĂ¤llen, so schien es mir, hatte sich das einfach so eingeschlichen. Die ZustĂ¤ndigkeiten hatten sich ergeben, und je lĂ¤nger das System lief und funktionierte, desto schwieriger war es fĂĽr alle Beteiligten, da wieder herauszukommen. Bei der ersten Mutter hat das spĂ¤ter sehr gut geklappt, sie hat mit ihrem Mann einen Modus gefunden, mit dem beide zufrieden sind. Bei der anderen nicht, die Beziehung ist nach einigen Jahren in die BrĂĽche gegangen.</para><title ezxhtml:level="2">"Kochen ist doch keine MĂ¤nnerarbeit"</title><para>Dass auch jetzt noch in vielen Familien klare Rollenbilder in den KĂ¶pfen sind, haben wir kĂĽrzlich bei uns in der Nachbarschaft erlebt. Eine ZehnjĂ¤hrige sah in einer anderen Familie, wie der Vater das Abendessen kochte. Ihre Reaktion: â€žAber das ist doch keine MĂ¤nnerarbeit!â€ś Unsere Tochter hatte die Szene beobachtet und erzĂ¤hlte uns spĂ¤ter sehr belustigt davon. Und auch ein bisschen aufgebracht.</para><para>Denn fĂĽr sie und ihren Bruder ist es ganz normal, dass sowohl Vater als auch Mutter fĂĽr alles zustĂ¤ndig sind. â€žIch kennâ€™s ja nicht andersâ€ś, meinte unser 13-jĂ¤hriger Sohn lakonisch, als ich ihn fragte, was er von unserem System hĂ¤lt. â€žIch finde es gutâ€ś, erklĂ¤rte unsere Tochter, â€žweil ich es komisch fĂ¤nde, wenn zum Beispiel Papa den ganzen Tag arbeiten wĂĽrde und du den ganzen Tag zuhause wĂ¤rst.â€ś Sie steht auf Gleichberechtigung und mĂ¶chte â€ždas spĂ¤ter auch so machenâ€ś.</para><para>Auch mein Mann bewertet unser Modell als â€žinsgesamt sehr gutâ€ś. Besonders positiv findet er, dass wir beide von Anfang an fĂĽr die Kinder prĂ¤sent waren. Ein kleiner Nachteil ist fĂĽr ihn, dass viel Absprachebedarf besteht. Dass wir in der Corona-Zeit die MĂ¶glichkeit hatten, unsere Arbeitszeiten und ZustĂ¤ndigkeiten nach Bedarf anzupassen, war aus seiner Sicht optimal.</para><title ezxhtml:level="2">Gar nicht erst reingetappt in die Mama-macht-das-schon-Falle</title><para>Dass wir erst gar nicht in die Mama-macht-das-schon-Falle hineingeraten konnten, hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich nach der Geburt unserer Tochter mehrere Tage sehr krank war und mein Mann sich im Krankenhaus um das Baby kĂĽmmerte. Als ich wieder fit war, habe ich mir von ihm zeigen lassen, wie das ging mit der Nabelpflege und dem Wickeln. Eigentlich, wenn auch unfreiwillig, ein perfekter Einstieg in das Fifty-fifty-Eltern-Game.</para><para>Wobei ich zugeben muss: An einem Punkt sind wir doch in die Falle getappt, und zwar in dem Bereich, der heute als â€žMental Loadâ€ś bekannt ist, also bei den vielen kleinen Dingen, die im Hintergrund organisiert werden mĂĽssen. Bei mir liefen alle FĂ¤den zusammen, die Gesamtorganisation der Familie lag bei mir. Ich hielt den Kontakt zu anderen Eltern, organisierte Geburtstagsgeschenke fĂĽr unsere Kinder und fĂĽr die Kindergeburtstage von ihren Freunden. Ich sammelte alle Unterlagen, kĂĽmmerte mich um die Termine und den Schriftverkehr mit Kitas, Ă„rzten und Elterngeldstelle. Auch das Management von Kinderkleidung und Kinderspielzeug â€“ Anschaffen, Aussortieren, Wegwerfen, Weitergeben â€“ war ausschlieĂźlich mein Ding. Meinen Mann erinnerte ich an die Geburtstage seiner Eltern und seiner Patenkinder. Ich fĂĽhlte mich dafĂĽr verantwortlich, weil ich mich generell oft verantwortlich fĂĽhle und weil ich es irgendwie als der Mutterrolle zugehĂ¶rig empfand, alle diese Dinge im Blick haben. Irgendwann war ich komplett ĂĽberfordert und habe gemerkt: Ich schaffe das nicht mehr. Seitdem versuchen wir, uns auch in Sachen Mental Load besser miteinander abzustimmen.</para><para>Insgesamt bin ich nach 16 Jahren sehr glĂĽcklich mit unserem Modell und sehr dankbar, dass es mĂ¶glich ist. Ich weiĂź, dass viele Paare sich so ein Modell nicht vorstellen kĂ¶nnen oder es ablehnen. Andere hĂ¤tten es gerne, es lĂ¤sst sich aber aufgrund der Rahmenbedingungen nicht realisieren. Ich wĂĽrde mir wĂĽnschen, dass alle Eltern, die Fifty-fifty leben wollen, das auch tun kĂ¶nnen. Weil das allen guttun wĂĽrde â€“ den Kindern, den Eltern und der Gesellschaft.</para></section>
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